Hanfunternehmen in der SchweizHERBARIA

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herbaria

Die Schweiz gilt seit einigen Jahren als neues ”Hanf-Wunderland“. Hier scheint vieles – wenn auch nicht alles – möglich zu sein. Der Anbau von Hanf ist in der Schweiz legal, sofern er nicht für die Betäubungsmittelproduktion bestimmt ist. Wenn der Hanf also angebaut wird, um z.B. Essenzen für Kosmetik oder Lebensmittel zu gewinnen, ist dies kein Problem… Wir haben Tünde und Hannes von der in Zürich ansässigen Firma Herbaria besucht und uns über die aktuelle Situation in der Schweiz unterhalten…

grow!: Bevor wir richtig loslegen, stellt doch Euer Unternehmen mal kurz vor...
Tünde: Herbaria gibt es seit 1996. Schon damals war der Hanf unser Hauptaugenmerk, auch wenn wir damals noch vermehrt Anbauzubehör angeboten haben. Das hat sich im Laufe der Zeit geändert, so daß heute das Anbauzubehör am Rande mitläuft, und die Produktion von Stecklingen und Samen in den Mittelpunkt gerückt ist. Die Zukunft zeichnet sich auch klar ab: Die Weiterentwicklung unserer Haussorten und Ausbau des Bereichs Arterhaltung ist gefragt.
grow!: Hattet Ihr vorher schon Erfahrungen mit diesen Dingen?
Tünde: Nicht wirklich, ich war vorher bei der kantonalen Verwaltung angestellt. Alle unternehmerischen Fähigkeiten mußte ich mir selbst beibringen – quasi ”learning by doing“. Was Hannes betrifft brachte er sicher Erfahrung und ein bescheidenes Genpool aus seinen früheren privaten Züchtungen mit. Wir haben klein angefangen und sind stetig gewachsen...
grow!: Hattet Ihr finanzielle Unterstützung, z.B. von Banken?
Tünde: Nein, überhaupt nicht.
grow!: Ja, ja, wie in Deutschland, da ist es auch super schwierig – wenn nicht unmöglich – für eine Geschäftsidee im Hanfbusiness Kredite zu bekommen. Und wie ist das hier mit den Behörden? Was erzählt Ihr z.B. dem Finanzamt?
Tünde: Wir geben unsere Einnahmen aus dem Stecklings- und Samenverkauf bei der Steuererklärung an. Es ist überhaupt kein Problem, derartige Geschäfte in der Schweiz zu tätigen. Es herrscht ja Gewerbefreiheit in unserem Land.
grow!: Die Cannabis Samen erzeugt Ihr selbst?
Hannes: Ja, wir arbeiten seit einiger Zeit daran, aus unserem Sortenpool Hanfpflanzen zu züchten, die sich besonders für den Outdoor-Anbau in der Schweiz eignen. Auch verschiedene Indoor-Sorten haben wir im Angebot.
grow!: Wie viele verschiedene Sorten habt Ihr?
Hannes: Es dürften zwischen zwanzig und dreißig verschiedene sein...
grow!: Sehe ich das richtig, daß sich Hannes um den Pflanzenbereich kümmert und Du Dich um die Geschäftsführung?
Tünde: Ja, das siehst Du ganz richtig...
grow!: Wie viele Mitarbeiter habt Ihr insgesamt?
Tünde: Uns inklusive arbeiten hier zwölf Leute, wobei die meiste Arbeit mit den Pflanzen anfällt, d.h. der Stecklingsvermehrung, Unterhalt der Anlagen usw.. Ich bin zudem noch oft zu Läden und Bauern unterwegs.
grow!: Quasi Direktmarketing, oder?
Tünde: Ja, das könnte man so sagen...
grow!: Und welchen Eindruck hast Du bei Deinen Gesprächen mit den Bauern gewonnen?
Tünde:Daß sie in den letzten fünf Jahren viel dazugelernt haben. Es hat sich alles normalisiert, wobei man immer beachten muß, daß es große regionale Unterschiede gibt. Von Kanton zu Kanton kann das anders gehandhabt werden. Während in der deutschsprachigen Schweiz relativ viel möglich ist, kann das im französisch-sprechenden Teil der Schweiz schon ganz anders aussehen, da dort die Behörden viel restriktiver sind.
grow!: Aber das Geschäft mit dem Hanf lohnt sich für die Bauern?
Tünde: Ja, sicherlich, wobei es den Bauern mal leichter und mal schwerer gemacht wird. Während sie in einigen Regionen ohne größere Probleme den Hanf anbauen und verkaufen können, müssen sie in anderen Regionen die Abnehmer und den Verwendungszweck des Hanfs nachweisen. Oft ist die Ernte schon auf dem Feld beschlagnahmt. Der Bauer darf zwar mit seiner Arbeit fortfahren und die Ernte einbringen, kann aber ohne Genehmigung der Behörden keine dieser Pflanzen verkaufen.
grow!: Und hier in Zürich? Hier scheint es relativ liberal zu sein...?
Tünde: Na ja, geht so. Zürich ist eher so in der Mitte, nicht wirklich restriktiv, aber auch nicht wirklich liberal.
grow!: Hattet Ihr schon mal konkret Probleme mit den Behörden? Seid Ihr schon mal kontrolliert worden?
Tünde: Probleme hatten wir noch keine, aber es ist jemand vorbeigekommen, um zu schauen, was wir hier machen. Da alles mit ”rechten“ Dingen zugeht – es werden keine Blüten oder rauchfertigen Kräuter angeboten – hatte er nichts zu bemängeln. Im Gegenteil, er fand es interessant und es hat ihm gefallen, was wir hier machen...
grow!: So wünscht man sich das!
Tünde: Na ja, wünschen würde ich mir mehr Klarheit von Seiten der Behörden und vor allem mehr Sicherheit, besonders für unsere Angestellten.
grow!: Was kosten bei Euch die Samen und Stecklinge?
Hannes: Für 68 Franken bekommt man bei uns zehn Samen. Dann verkaufen wir noch reinerbige Sorten, also stabiles Saatmaterial, mit dem man selber weiterzüchten kann, davon kosten zehn Samen 188 Franken. Unsere Stecklinge kriegt man im Einzelhandel je nach Stückzahl zwischen 8.50 und 13 Franken.
grow!: Was ist genau der Unterschied zwischen diesen Samen, außer dem Preis?
Hannes: Die Samen für 68 Franken sind in der Regel F1-Hybriden, gelungene Kreuzungen aus zwei reinerbigen Sorten. Die teureren stabilen Sorten entspringen unserem Arterhaltungsbereich. Sie sollen den Wünschen von ernsthaften Züchtern gerecht werden, die eigene Sorten aus einer natürlichen gesunden Basis heranzüchten möchten. Es versteht sich von selbst, daß dieser Bereich noch nicht über große Stückzahlen der einzelnen Sorten verfügt. Aber wie gesagt, wir arbeiten daran, immer mehr des ursprünglichen Saatguts zugänglich zu machen.
Tünde: In diesem Bereich geht es uns darum, die Vielfalt zu erhalten. Mit unserer Samenbank wollen wir langfristig sicherstellen, daß für die Landwirtschaft, aber auch den Heimbedarf, Saatgut zur Verfügung steht, das den Erwartungen entspricht.
grow!: Wie würdet Ihr die Qualitätsentwicklung des Schweizer Outdoor-Gras in den letzten Jahren beurteilen?
Hannes: Du warst selbst beim Züricher Highday vor drei Jahren, als man nicht genau wußte, welches der Gräser überhaupt rauchbar war. Mittlerweile findest Du viel besseres Outdoor-Gras, auch wenn immer Qualitäts-unterschiede zum Indoor-Gras zu bemerken sind.
grow!: Was kostet derzeit ein Gramm gutes Outdoor-Gras?
Hannes: Ich schätze zwischen 4 und 8 Franken pro Gramm. Indoor-Gras wird zwischen 9 und 13 Franken kosten.
grow!: Gibt es viele Indoor-Grower in der Schweiz?
Tünde: Ja, ich würde sagen, daß das Indoor-Growing boomt. Es ist doch schön, seine Pflanzen von der Saison unabhängig und in den eigenen Räumen zu ziehen.
grow!: Verkauft Ihr Eure Produkte direkt an Endverbraucher?
Hannes: Ja auch, aber wir beliefern eher Läden mit Stecklingen und Samen.
grow!: Und wie läuft das bei Stecklingen, die sind ja nicht ewig haltbar, nachdem sie geschnitten wurden...?
Hannes: Ja, deshalb liefern wir grundsätzlich nur auf Vorbestellung. Wobei wir ständig Stecklinge schneiden, auch wenn mal keine Bestellungen vorliegen, und es ist in den letzten fünf Jahren noch nicht vorgekommen, daß welche übriggeblieben wären...
Tünde: Ja, das ist schon fast magisch... Aber ich denke, wenn die Qualität stimmt, sind die Leute auch interessiert an den Pflanzen.
grow!: Ihr testet sie selbst?
Hannes: Ja sicher. Das ist eine der Hauptaufgaben als Züchter.
grow!: Und nach welchen Kriterien wählt Ihr Eure Pflanzen aus?
Hannes: Es gibt verschiedene Kriterien, abhängig vom Einsatzgebiet. Für die Outdoor-Zucht interessiert mich z.B. die Schimmelpilz- und Mehlta-uresistenz. Dieses Aufgabengebiet ist herausfordernder als die Kriterien der Indoorzucht.
grow!: Und wie sieht es mit der Potenz und dem Aroma aus?
Hannes: Die Potenz interessiert mich technisch nicht groß. Sofern es sich nur um den THC-Gehalt handelt. Diese Meßlatte ist einseitig und ziemlich fragwürdig. Die vielfältigen Aromen hingegen, sind ein unerschöpfliches Betätigungsfeld. Es gibt so viele verschiedene Hanfarten auf diesem Globus, die sich nicht nur in Aussehen und Blütezeit voneinander unterscheiden. Die Aromen sind genauso vielfältig,
wie die Natur selbst. Die spezifischen Gerüche in verschiedenen Essenzen festhalten zu können oder durch Kreuzung neue Nuancen zu kreieren, ist sicher eine sehr reizvolle Herausforderung.
grow!: Gibt es denn eigentlich noch einen Markt für Outdoor-Gras, oder rauchen die Schweizer lieber Indoor-Züchtungen?
Hannes: Das ist unterschiedlich und schon eine Ideologiefrage. Es gibt Leute, die packen das Indoor-Gras nicht an. Die rauchen nur, was unter der Sonne gewachsen ist, weil es das ”Natürlichere“ ist...
grow!: Ich rauche gerne Outdoor-Gras – wenn es nicht so versamt ist – denn ich mag das leichte High, das Outdoor-Gras hervorruft. Indoor-Gras ist manchmal hammerhart stark, und eignet sich eher zum Wegschießen als zum Anregen...
Hannes: Wobei das auch wieder auf die Genetik – das Verhältnis der Cannabinole – ankommt. Es macht schon was aus, ob es eine Sativa- oder Indica-Pflanze ist. Bei Indica kann es schon vorkommen, daß zuviel davon müde und träge macht, aufgrund des größeren CBD Anteils. Bei Sativa-Pflanzen hat man eher diese geistige Klarheit, weil im Verhältnis die THC-Verbindungen vorherrschend sind. Dafür haben die meisten Sativapflanzen eine längere Blütezeit [bis zu 90 Tagen] und bilden kleinere Blütenstände aus, was nicht unbedingt erwünscht ist. Deshalb ist es so gut wie unmöglich, eine typische tropische Sativapflanze Outdoor zu ziehen.
grow!: Aber das wäre doch eine Herausforderung für den Züchter, eine Sativapflanze für den Outdoor-Anbau zu kreieren...
Hannes: Wir haben ja unsere Bushmans, eine reinerbige Sorte und zu 100% Sativa mit einer Blütezeit von 45-50 Tagen. Die Samen haben wir direkt aus Südafrika erhalten. Aber die Fruchtigkeit einer Thaipflanze z.B. besitzt sie nicht. Klar kann man Pflanzen züchten, die aussehen wie Sativas, aber das ”Feinstoffliche“ so hinzubekommen, ist schwierig. Ich arbeite derzeit mit tadschikischem Hanf, da die klimatischen Verhältnisse dort den unseren sehr ähnlich sind, d.h. die Pflanzen wachsen schnell und gehen früh in die Blüte. Das ist ideal für unsere Breitengrade. Ich würde gerne in einem noch größeren Umfang züchten, doch dafür braucht es viel Platz, den wir derzeit noch nicht haben...